Rund 35 Millionen Heimtiere leben laut Industrieverband Heimtierbedarf in deutschen Haushalten. Hunde, Katzen, Kleintiere. Und immer mehr Tierhalter wollen ihr Tier nicht mehr in die Obhut anderer geben, wenn sie verreisen. Das ist nachvollziehbar, bringt aber eine Menge organisatorischen Aufwand mit sich, den viele unterschätzen.
Vor der Reise: Was wirklich vorbereitet werden muss
Der EU-Heimtierausweis ist für Reisen innerhalb Europas Pflicht. Er weist die Tollwutimpfung nach und muss beim Tierarzt ausgestellt werden. Wer ohne dieses Dokument an der Grenze steht, riskiert die Zurückweisung. Für Länder außerhalb der EU, etwa die Türkei oder Marokko, gelten teils strengere Vorschriften: Gesundheitszertifikate, spezifische Impfnachweise, manchmal sogar Bluttests auf Tollwutantikörper, die mindestens drei Monate vor der Einreise vorgenommen worden sein müssen.
Wer mit dem Hund in skandinavische Länder reist, sollte wissen: Schweden, Finnland und Norwegen verlangen neben dem EU-Ausweis auch eine Entwurmung gegen den Fuchsbandwurm, die 24 bis 120 Stunden vor der Einreise erfolgt sein muss und ebenfalls im Ausweis dokumentiert wird. Das kostet beim Tierarzt zwischen 20 und 40 Euro, muss aber zeitlich exakt zur Abreise passen.
Transport: Bahn, Auto oder Flieger
Die Deutsche Bahn erlaubt Hunde und Katzen in Transportboxen kostenlos, sofern die Box nicht größer als 70 x 30 x 50 Zentimeter ist. Größere Hunde benötigen eine Fahrkarte zum halben Kinderpreis und müssen an der Leine mit Maulkorb mitfahren. Im Fernverkehr gibt es keine reservierbaren Plätze für Tierhalter, was bei langen Fahrten zur Herausforderung wird.
Im Auto gelten andere Regeln. Rechtlich gesehen ist ein nicht gesichertes Tier im Fahrzeug ein Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung. Ordnungsgemäß gesichert werden Hunde entweder per Sicherheitsgurt-Adapter, in einer crashgetesteten Box oder hinter einem Trenngitter. Bei einem Unfall mit 50 km/h wird ein ungesicherter 30-Kilo-Hund zum 150-Kilo-Geschoss.
Beim Fliegen wird es komplizierter. Die meisten europäischen Airlines erlauben kleine Tiere bis etwa 8 Kilogramm in der Kabine, gegen Aufpreis zwischen 40 und 100 Euro je Strecke. Größere Hunde müssen als Frachtstück transportiert werden, was nicht nur teurer ist, sondern auch Stress für das Tier bedeutet. Einige Rassen, darunter Bulldoggen und Möpse, werden von mehreren Airlines wegen ihrer Atemprobleme komplett abgelehnt.
Unterkunft: Wo Tiere wirklich willkommen sind
„Haustiere erlaubt“ und „tierfreundlich“ sind zwei sehr unterschiedliche Aussagen. Viele Hotels akzeptieren Tiere formal, bieten aber keinerlei Infrastruktur: keine Ausgießer, keine Abwurfmöglichkeiten für Hundebeutel, keine Wiese in der Nähe. Wer gezielt nach Unterkünften sucht, die wirklich auf Tierhalter ausgerichtet sind, findet auf spezialisierten Portalen eine bessere Auswahl. Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, kann dort mehr erfahren, etwa über tierspezifische Checklisten, die beim Buchen helfen.
Ferienwohnungen sind für Tierhalter oft praktischer als Hotels. Eigene Eingangstüren, Gärten, keine anderen Hotelgäste, die sich durch Hundegebell gestört fühlen. Der Aufpreis für Haustiere liegt je nach Unterkunft zwischen 5 und 20 Euro pro Nacht. Manche Vermieter verlangen eine Tierpauschale von 30 bis 50 Euro pro Aufenthalt für die Reinigung.
Gesundheit und Sicherheit im Urlaub
In Südeuropa lauern Parasiten, die in Deutschland kaum eine Rolle spielen. Die Herzwurmerkrankung, übertragen durch Stechmücken, ist in Teilen Italiens, Spaniens und Griechenlands verbreitet. Die Leishmaniosemilbe kommt in vielen Mittelmeerregionen vor. Beide Erkrankungen können für Hunde lebensbedrohlich werden. Ein Gespräch mit dem Tierarzt mindestens vier Wochen vor Abreise in südliche Regionen ist keine Vorsichtsmaßnahme für Übervorsichtige, sondern schlicht sinnvoll.
Praktische Ausrüstung für die Reise:
- Erste-Hilfe-Set für Tiere (Wundspray, Verbandmaterial, Zeckenzange)
- Faltbarer Wassernapf für unterwegs
- Ausreichend gewohntes Futter für die gesamte Reisedauer
- Kopie des Impfausweises zusätzlich zum Original
- Kontaktdaten eines Tierarztes am Reiseziel
- Aktuelle Fotos des Tieres für den Verlustfall
Hitzeschutz im Sommer
Zwischen Juni und September ist Hitzeschutz für Hunde kein optionales Thema. Asphalt kann sich bei 30 Grad Lufttemperatur auf über 60 Grad aufheizen. Der einfache Test: Wer die Handfläche nicht fünf Sekunden auf den Asphalt legen kann, ohne Schmerzen zu spüren, ist die Fläche für Pfoten zu heiß. Spaziergänge sollten in den frühen Morgen oder den späten Abend verlegt werden. Im Mietwagen oder im Hotelzimmer ohne Klimaanlage können Temperaturen innerhalb weniger Minuten auf lebensbedrohliche Werte steigen.
Katzen, die normalerweise Freigänger sind, reagieren auf unbekannte Umgebungen oft mit Fluchtversuchen. Im Urlaub sollte der erste Kontakt mit dem Außenbereich einer Ferienwohnung nie unbeaufsichtigt stattfinden. Viele erfahrene Katzenreisende gewöhnen ihr Tier bereits Monate vor dem Urlaub ans Tragen von Leine und Geschirr.
Entspanntes Reisen braucht Vorlauf
Wer zwei Wochen vor Abflug anfängt, die Unterlagen zusammenzusuchen, gerät unter Zeitdruck. Besonders wenn Laboruntersuchungen oder spezifische Impfungen mit vorgeschriebenen Wartezeiten nötig sind. Eine realistische Vorlaufzeit für Reisen innerhalb der EU beträgt mindestens vier Wochen, für Drittstaaten eher drei bis sechs Monate.
Das Tier selbst braucht ebenfalls Vorbereitung. Kurze Testfahrten mit dem Auto, das Gewöhnen an die Transportbox Wochen vor der Reise, der Besuch hundefreundlicher Lokale im Alltag: All das macht das Tier im Urlaub gelassener. Ein Tier, das entspannt reist, reist mit Haltern, die es entspannt vorbereitet haben.