Mitte Oktober beginnt in vielen Haushalten das gleiche Ritual: Die Heizung wird zum ersten Mal wieder aufgedreht, und sofort zeigt sich, was über den Sommer versäumt wurde. Glucksende Leitungen, ein Heizkörper, der oben kalt bleibt, ein Thermostat, der klemmt. Wer solche Probleme kennt, ist damit nicht allein. Nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft entfallen rund 70 Prozent des Energieverbrauchs in deutschen Haushalten auf Raumwärme und Warmwasser. Kleine Wartungsfehler haben also direkte Auswirkungen auf die Jahresabrechnung.
Entlüften: Pflicht, kein Kann
Der häufigste und einfachste Fehler ist ein nicht entlüfteter Heizkörper. Luft sammelt sich im Laufe der Heizperiode in den Leitungen und bildet Luftblasen, die die Wärmeverteilung blockieren. Ein Heizkörper, der unten warm, oben aber kalt bleibt, ist das klassische Symptom. Das Entlüften selbst dauert keine zehn Minuten: Heizung aufdrehen, warten bis das System Druck aufgebaut hat, dann mit einem Entlüftungsschlüssel das Ventil an der Oberseite des Heizkörpers öffnen, bis Wasser austritt und keine Luft mehr zischt. Ein Lappen darunter schützt den Boden.
Wichtig dabei: Den Systemdruck am Manometer der Heizungsanlage vor und nach dem Entlüften prüfen. Er sollte in der Regel zwischen 1,5 und 2,0 Bar liegen. Sinkt er unter 1,0 Bar, muss Wasser nachgefüllt werden, was in Mietwohnungen Sache des Vermieters ist. Eigentumsbesitzer sollten das Nachfüllen entweder selbst kennen oder einmalig von einem Fachbetrieb zeigen lassen.
Thermostatventile prüfen und reinigen
Thermostatventile sitzen fast das ganze Jahr still, wenn die Heizung abgestellt ist. Dadurch können sie festsitzen. Das Ergebnis: Der Heizkörper springt nicht an, obwohl das Ventil auf Stufe 3 oder 4 gedreht ist. Wer das Ventil abnimmt und den darunter liegenden Stift mit einem Schraubenziehergriff vorsichtig einige Male eindrückt, kann ihn meist lösen. Lässt er sich nicht bewegen, hilft ein Fachbetrieb. Ein neues Thermostatventil kostet im Handel zwischen 8 und 25 Euro, der Einbau durch einen Heizungsmonteur liegt je nach Aufwand bei 40 bis 80 Euro.
Auch Schmutz und Staub spielen eine Rolle. Lamellen und Rippen von Heizkörpern, die über Monate nicht geputzt wurden, isolieren die Wärme buchstäblich. Wer die Heizflächen mit einem Pinsel, einem Heizkörperbürsten-Set oder einem Staubsauger mit Flachsaugaufsatz reinigt, verbessert die Wärmeabgabe messbar. Genaue Hinweise zu Reinigungstechniken für verschiedene Heizkörpertypen, ob Plattenheizkörper, Röhrenmodelle oder alte Gussheizkörper, fasst etwa der Ratgeber zur Heizkörperpflege verständlich zusammen.
Hydraulischer Abgleich: Das größte Einsparpotenzial
In vielen Mehrfamilienhäusern und auch in Einfamilienhäusern läuft die Heizungsanlage ohne hydraulischen Abgleich. Das bedeutet: Heizkörper, die nah am Heizkessel liegen, werden mit viel zu viel heißem Wasser versorgt, während weiter entfernte Heizkörper kaum warm werden. Die Bewohner der hinteren Zimmer drehen die Thermostate deshalb höher, was den Energieverbrauch des gesamten Systems treibt.
Ein hydraulischer Abgleich durch einen Fachbetrieb kostet im Einfamilienhaus je nach Aufwand zwischen 300 und 800 Euro. Die Bundesregierung fördert ihn über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) mit bis zu 15 Prozent der Kosten. Studien des Umweltbundesamts zeigen, dass allein durch einen Abgleich Einsparungen von 10 bis 15 Prozent beim Heizenergieverbrauch möglich sind. Wer also in einer schlecht abgeglichenen Anlage wohnt und 1.800 Euro im Jahr für Heizkosten zahlt, kann realistisch mit 180 bis 270 Euro Ersparnis pro Jahr rechnen.
Was Mieter selbst in der Hand haben
Mieter dürfen ohne Genehmigung des Vermieters keine technischen Eingriffe an der Heizungsanlage vornehmen. Das Entlüften gehört in vielen Mietverhältnissen laut Mietvertrag zur Sorgfaltspflicht des Mieters und ist kein Problem. Der Austausch von Ventilen oder Thermostatköpfen muss jedoch mit dem Vermieter abgesprochen werden. Schäden durch eigenmächtige Eingriffe können zur Kostenpflicht des Mieters führen.
- Erlaubt ohne Rücksprache: Heizkörper entlüften, Thermostatknopf auf Gängigkeit prüfen, Oberflächen reinigen
- Nur mit Vermieter-Abstimmung: Thermostatventile tauschen, Rohre oder Anschlüsse verändern
- Sache des Vermieters: Systemdruck nachfüllen, hydraulischen Abgleich veranlassen, Heizkessel warten
Wer als Mieter feststellt, dass ein Heizkörper trotz korrekt eingestelltem Thermostat nicht heizt, sollte das dem Vermieter schriftlich melden. Die Heizpflicht gilt in Deutschland in der Regel vom 1. Oktober bis zum 30. April, und in dieser Zeit müssen Innentemperaturen von mindestens 20 Grad Celsius tagsüber erreichbar sein. Bei Verstößen haben Mieter Anspruch auf Mietminderung, in der Rechtsprechung werden dafür häufig 10 bis 20 Prozent der Kaltmiete anerkannt.
Heizkörpernischen und Möbelaufstellung nicht vergessen
Ein unterschätzter Faktor ist die direkte Umgebung des Heizkörpers. Vorhänge, die bis auf den Boden reichen und den Heizkörper verdecken, können die Wärmeabgabe in den Raum um bis zu 30 Prozent reduzieren. Möbel, die direkt vor dem Heizkörper stehen, heizen sich selbst auf, statt die Raumluft zu erwärmen. Heizkörpernischen in Altbauten reflektieren die Wärme schlecht nach innen. Abhilfe schafft hier eine selbstklebende Reflexionsfolie, die hinter dem Heizkörper an die Wand geklebt wird. Sie kostet pro Meter weniger als 5 Euro und lässt sich ohne Werkzeug anbringen.
Checkliste für die Wochen vor dem ersten Frosttag
Wer strukturiert vorgehen möchte, kann folgende Punkte der Reihe nach abarbeiten:
- Alle Heizkörper entlüften und Systemdruck prüfen
- Thermostatventile auf Gängigkeit testen
- Heizkörperrippen und Lamellen entstauben
- Möbel und Vorhänge vor Heizkörpern zurückrücken
- Reflexionsfolie in Heizkörpernischen prüfen oder nachrüsten
- Thermostate auf Nachtabsenkung programmieren, sofern vorhanden
- Vermieter oder Hausverwaltung schriftlich auf Mängel hinweisen
Wer diese Punkte vor dem ersten richtigen Kälteeinbruch erledigt, hat gute Chancen, die Heizsaison ohne böse Überraschungen zu beginnen. Der Aufwand für die meisten dieser Maßnahmen liegt bei maximal einem Nachmittag, der Effekt auf Komfort und Heizkosten bleibt die gesamte Saison spürbar.