Nachhaltige Hochhäuser: Bauen für die Stadt von morgen

Nachhaltige Hochhäuser: Bauen für die Stadt von morgen

Wer durch Frankfurt, Hamburg oder München fährt, sieht sie: Hochhäuser, die das Stadtbild prägen und zugleich polarisieren. Die einen sehen in ihnen effiziente Raumnutzung auf kleiner Grundfläche, die anderen energiefressende Betonkolosse ohne Bezug zur menschlichen Skala. Die Wahrheit liegt, wie so oft, differenzierter. Denn die Architektur- und Baubranche hat in den vergangenen zehn Jahren erhebliche Fortschritte gemacht, wenn es um nachhaltiges Hochhausbau geht.

Warum Hochhäuser überhaupt eine Zukunft haben

Der Druck auf urbane Flächen steigt. Laut Prognosen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung werden bis 2040 rund 60 Prozent der deutschen Bevölkerung in Städten leben. Gleichzeitig ist Bauland in Großstädten knapp und teuer. Ein Neubau in die Höhe zu verlängern statt in die Breite zu wachsen, ist unter diesen Bedingungen keine ästhetische Entscheidung, sondern eine stadtplanerische Notwendigkeit.

Ein Hochhaus mit 30 Stockwerken auf 1.000 Quadratmetern Grundfläche schafft Wohn- und Nutzfläche, für die ein klassisches Mehrfamilienhaus ein Mehrfaches an Boden benötigen würde. Das schützt Grünflächen am Stadtrand vor Zersiedelung und hält Pendelwege kurz. Beide Effekte haben direkte ökologische Relevanz.

Energiebilanz: Das entscheidende Argument

Lange war die Energiebilanz das schwächste Glied in der Kette. Hochhäuser haben eine ungünstige Hüllfläche im Verhältnis zum Volumen, kämpfen mit Windlast und brauchen aufwendige Haustechnik für Lüftung, Aufzüge und Druckstufen in der Wasserversorgung. Ältere Gebäude aus den 1970er Jahren verbrauchen oft mehr als 200 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr.

Neubauten wie der Timber Tower in Wien oder das Hochhaus „Roots“ in Hamburg zeigen, dass dieser Wert auf unter 30 kWh gedrückt werden kann. Entscheidend dafür sind drei Faktoren:

  • Fassadendämmung und Dreifachverglasung, die Wärmeverluste auf ein Minimum reduzieren
  • Gebäudeintegrierte Photovoltaik, die Fassadenflächen zur Stromerzeugung nutzt
  • Wärmerückgewinnung aus Abluft und Abwasser, die den Heizenergiebedarf senkt
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Das Hochhaus „The Edge“ in Amsterdam, das 2015 fertiggestellt wurde, gilt als eines der energieeffizientesten Bürogebäude weltweit. Es produziert mehr Strom als es verbraucht und speist überschüssige Energie ins Netz ein. Das ist kein Einzelfall mehr, sondern ein realisierbares Planungsziel.

Begrünte Fassaden und vertikale Gärten

Grün an der Fassade ist kein dekoratives Element. Es reguliert die Oberflächentemperatur, verbessert die Luftqualität im Umfeld und reduziert den sogenannten Urban-Heat-Island-Effekt, also die Überhitzung verdichteter Stadtquartiere. Singapur hat dies auf die Spitze getrieben: Das „Jewel Changi“ und der CapitaGreen Tower zeigen, wie großflächige Begrünung und Gebäudetechnik systematisch verknüpft werden können.

In Deutschland arbeiten Projekte wie das Wohnhochhaus „Cosmopolitan“ in München oder der geplante „Timber Tower“ in Heilbronn mit vertikal integrierten Pflanzflächen. Studien der Technischen Universität Berlin belegen, dass begrünte Fassaden die Raumtemperatur in Innenräumen an heißen Sommertagen um bis zu vier Grad senken können. Das bedeutet weniger Klimaanlage und damit weniger Stromverbrauch.

Mischnutzung als städtebauliches Prinzip

Nachhaltigkeit beim Hochhausbau endet nicht bei der Technik. Die soziale Dimension spielt eine mindestens ebenso große Rolle. Reine Bürotürme, die abends leer stehen, sind städtebaulich problematisch. Sie produzieren tote Quartiere ohne Leben nach 18 Uhr, belasten die Verkehrsinfrastruktur durch konzentrierte Pendlerströme und bieten keine sozialen Bindungen.

Moderne Hochhauskonzepte setzen deshalb auf Mischnutzung: Erdgeschoss und erste Etagen für Einzelhandel und Gastronomie, mittlere Stockwerke für Büros, obere Bereiche für Wohnen. In Städten mit angespannten Wohnungsmärkten, zu denen neben Frankfurt oder München auch mittelgroße Städte zählen, gewinnt dieser Ansatz an Bedeutung. Fachleute aus dem Immobilienbereich, etwa ein Immobilienmakler Konstanz, berichten, dass gemischt genutzte Immobilien bei Käufern und Investoren zunehmend gefragt sind, weil sie flexibler auf Marktveränderungen reagieren können.

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Das Konzept der „15-Minuten-Stadt“, das zuerst in Paris unter Bürgermeisterin Anne Hidalgo stadtpolitisch umgesetzt wurde, lässt sich mit vertikaler Mischnutzung konsequent verknüpfen: Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Erholung innerhalb kurzer Wege, oder sogar innerhalb eines einzigen Gebäudes.

Holz als Baustoff für große Höhen

Noch vor zwanzig Jahren galt Holz als Baustoff für Einfamilienhäuser oder maximal viergeschossige Gebäude. Neue Konstruktionsmethoden mit Brettsperrholz (CLT) und Brettschichtholz haben diese Grenze deutlich nach oben verschoben. Das 2019 fertiggestellte „Mjøstårnet“ in Norwegen ist mit 85,4 Metern das weltweit höchste Holzgebäude. In Deutschland entsteht in Hamburg-Wilhelmsburg der „Roots Tower“ mit 65 Metern in Holzhybridbauweise.

Der ökologische Vorteil ist erheblich. Beton und Stahl sind für rund acht Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. Holz dagegen bindet während des Wachstums CO2 und gibt es bei der Verwendung als Bauholz über Jahrzehnte nicht frei. Rechnet man den eingesparten Beton ein, ergibt sich für ein Holzhochhaus eine deutlich günstigere Klimabilanz.

Baustoff CO2-Emissionen (kg/m²) Besonderheit
Stahlbeton ca. 400 bis 600 Hoher Energieeinsatz bei Herstellung
Stahl ca. 300 bis 500 Gut recycelbar, hoher Schmelzaufwand
Brettsperrholz (CLT) ca. 50 bis 150 CO2-Speicher, nachwachsender Rohstoff

Was Städte jetzt brauchen

Nachhaltige Hochhäuser entstehen nicht von selbst. Sie brauchen Rahmenbedingungen: Bebauungspläne, die Mischnutzung erlauben, Förderprogramme für energieeffizientes Bauen, und Bauordnungsrecht, das Holzbauweise auch in großen Höhen zulässt. In Deutschland wurden die Musterbauordnung und einzelne Landesbauordnungen in den letzten Jahren angepasst, Bayern und Baden-Württemberg haben die Regelungen für Holzbauten über 13 Meter gelockert.

Gleichzeitig braucht es Investoren und Projektentwickler, die bereit sind, höhere Planungskosten am Anfang in Kauf zu nehmen, um über den Lebenszyklus eines Gebäudes Kosten und Emissionen zu sparen. Lebenszykluskosten-Analysen zeigen, dass nachhaltige Hochhäuser trotz höherer Baukosten nach 15 bis 20 Jahren wirtschaftlich vorteilhafter sind als konventionelle Bauten.

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Das Hochhaus hat eine Zukunft. Aber nur, wenn es als Teil eines größeren Systems gedacht wird: als Energieproduzent, als sozialer Treffpunkt, als Teil eines lebendigen Quartiers. Die Technologien dafür sind vorhanden. Was fehlt, ist oft nur der politische und planerische Wille, sie konsequent einzusetzen.