Der Fachkräftemangel in der Elektrobranche ist keine abstrakte Zahl mehr. Nach Angaben des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) fehlten allein im Elektrohandwerk zuletzt rund 75.000 qualifizierte Fachkräfte. Gleichzeitig steigt die Nachfrage: Wärmepumpen, Ladesäulen, Photovoltaikanlagen und die Digitalisierung von Gebäuden sorgen dafür, dass ausgebildete Elektrofachkräfte auf Jahre hinaus gebraucht werden. Für Bewerberinnen und Bewerber, die 2026 in die Ausbildung einsteigen wollen, sind die Rahmenbedingungen damit so gut wie selten zuvor.
Welche Ausbildungsberufe zur Wahl stehen
Die Elektrotechnik ist kein einheitlicher Beruf, sondern ein Feld mit mehreren klar abgegrenzten Ausbildungswegen. Die bekannteste Option ist der Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik, früher Elektroinstallateur genannt. Diese Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre und endet mit der Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer. Schwerpunkte liegen auf der Installation von Strom-, Licht- und Heizungsanlagen sowie zunehmend auf Smart-Home-Systemen.
Daneben gibt es den Elektroniker für Automatisierungstechnik, der vor allem in Industriebetrieben gefragt ist. Hier dreht sich alles um Steuerungs- und Regelungssysteme, speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS) und die Instandhaltung komplexer Maschinen. Eine weitere Option ist der Elektroniker für Informations- und Systemtechnik, der stärker in Richtung Netzwerke und IT-Infrastruktur ausgerichtet ist. Alle drei Berufe haben einen gemeinsamen Kern in den ersten eineinhalb Jahren, bevor die fachliche Spezialisierung einsetzt.
Was Betriebe von Bewerbern konkret erwarten
Handwerksbetriebe und Industrieunternehmen formulieren ihre Anforderungen unterschiedlich, aber einige Punkte tauchen überall auf. Mathematik steht an erster Stelle: Wer Spannung, Strom und Widerstand berechnen soll, braucht ein sicheres Gefühl für Gleichungen, Bruchrechnung und Maßeinheiten. Viele Ausbildungsbetriebe berichten, dass Bewerber mit einem Realschulabschluss oder Abitur trotzdem Probleme bei einfachen Berechnungen zeigen, weil der Schulstoff nicht ausreichend verinnerlicht wurde.
Physik ist das zweite Kernfach. Grundkenntnisse über elektrische Felder, Magnetismus und Wechselstrom sind keine Zusatzqualifikation, sondern Basisvoraussetzung. Hinzu kommt handwerkliches Geschick: Kabel konfektionieren, Schaltpläne lesen und Bauteile präzise einbauen erfordert Sorgfalt und räumliches Denkvermögen. Soft Skills wie Zuverlässigkeit und die Bereitschaft, auf Baustellen oder in Schichtbetrieben zu arbeiten, werden ebenfalls explizit genannt.
Wo Bewerber ihre Wissenslücken schließen können
Wer merkt, dass Mathe oder Physik vor dem Ausbildungsstart noch nicht sitzen, sollte das nicht auf die lange Bank schieben. Einige Betriebe bieten Einstiegsqualifizierungen (EQ) an, bei denen Interessierte sechs bis zwölf Monate vor der eigentlichen Ausbildung Praxisluft schnuppern und schulische Grundlagen vertiefen. Das ist aber nicht flächendeckend verfügbar.
Eine zunehmend genutzte Alternative ist gezielte Nachhilfe im Vorfeld oder begleitend zur Berufsschule. Plattformen wie Nachhilfe Elektrotechnik richten sich speziell an Auszubildende und Berufsschüler, die Lücken in der Elektrotechnik und Mathematik schließen wollen, ohne allgemeinen Schulstoff zu büffeln. Das spart Zeit und geht direkt auf die Berufsschullehrpläne ein. Gerade im zweiten Lehrjahr, wenn Themen wie Dreiphasenwechselstrom, Transformatoren und Leistungselektronik auf dem Stundenplan stehen, steigt der Bedarf spürbar.
Wer hingegen den schulischen Weg bevorzugt, kann an Berufskollegs oder technischen Oberschulen Vorkurse belegen. In Baden-Württemberg etwa bieten mehrere staatliche Berufskollegs im Herbst kostenlose Förderkurse für angehende Auszubildende an.
Der Bewerbungsprozess: Fristen und Realismus
Für den Ausbildungsstart im September 2026 laufen die meisten Bewerbungsfristen bereits zwischen Oktober und Januar 2025/2026. Größere Elektrounternehmen wie Bauer Elektroanlagen oder regionale Netzbetreiber sichten Bewerbungen teils noch früher. Wer bis März wartet, findet zwar noch Plätze, aber die Auswahl wird kleiner.
Ein vollständiges Bewerbungspaket enthält in der Regel folgendes:
- Anschreiben mit konkretem Bezug zum Betrieb (nicht: „Ich interessiere mich für Technik“)
- Tabellarischer Lebenslauf mit Praktika, Nebenjobs oder Ehrenamt
- Aktuelle Zeugnisse, mindestens das vorletzte Schulzeugnis
- Bei Praktikumserfahrung im Bereich Elektro: Praktikumszeugnis beilegen
Ein Einstellungstest gehört bei fast allen größeren Betrieben zum Ablauf. Dieser testet Mathematik (Grundrechenarten, Prozentrechnung, Geometrie), technisches Verständnis und manchmal sprachliche Grundfähigkeiten. Wer sich auf solche Tests vorbereitet, hat nachweislich bessere Chancen: Eine Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zeigt, dass strukturierte Vorbereitung die Bestehensquote um bis zu 30 Prozent verbessert.
Was die Ausbildungsvergütung 2026 realistisch abwirft
Seit der Einführung der Mindestausbildungsvergütung nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) sind die Untergrenzenwerte gestiegen. Für 2026 liegt die gesetzliche Mindestvergütung im ersten Ausbildungsjahr bei rund 682 Euro monatlich, sofern kein Tarifvertrag höhere Sätze vorschreibt.
In der Praxis zahlen viele Elektrobetriebe deutlich mehr. Im Elektrohandwerk gilt der Tarifvertrag des ZVEH, der je nach Region und Lehrjahr zwischen 750 und über 1.000 Euro vorsieht. Industriebetriebe, die dem IG-Metall-Tarifvertrag unterliegen, zahlen in Bayern oder Baden-Württemberg im dritten Lehrjahr bis zu 1.100 Euro. Das ist kein Luxus, aber für den Lebensunterhalt bei Eltern zu Hause oder mit Azubi-Wohnheim auskömmlich.
Perspektiven nach der Ausbildung
Wer die Gesellenprüfung besteht, hat direkt mehrere Wege vor sich. Die meisten Betriebe übernehmen ihre Gesellen nach der Ausbildung, oft mit einem Einstiegsgehalt zwischen 2.800 und 3.400 Euro brutto, je nach Region und Tarifbindung. Nach einigen Jahren Berufserfahrung ist die Meisterprüfung der nächste logische Schritt: Mit Meistertitel kann man einen eigenen Betrieb gründen oder in leitende Positionen aufsteigen.
Wer es akademischer mag, kann nach der Ausbildung ohne weiteres ein Studium anschließen. Technische Hochschulen wie die TH Köln oder die Hochschule München bieten Studiengänge in Elektrotechnik und Energietechnik an, für die eine abgeschlossene Berufsausbildung als Qualifikationszugang anerkannt wird. Der kombinierte Weg aus Ausbildung und Studium gilt in Personalkreisen als besonders wertvoll, weil er Theorie und Praxiserfahrung zusammenführt.
Für Bewerberinnen und Bewerber, die 2026 starten wollen, gilt: Der Arbeitsmarkt ist günstig, die Anforderungen sind beherrschbar, wenn man sich früh genug vorbereitet. Wer seine Mathematik aufbessert, sich rechtzeitig bewirbt und einen klaren Blick auf den gewünschten Beruf hat, hat gute Karten.